Mo

11

Mai

2009

14. ordentliche AVCS Mitgliederversammlung vom 29.4.2009

Neue Zusammensetzung des Vorstandes, Änderung von Art.7 der Statuten und Kritik an der Konzern- und Geschäftsleitung

Anlässlich der 14.ordentlichen Mitgliederversammlung wurden alle statutarischen Geschäfte ordnungsgemäss erledigt und dem Vorstand durch die zahlreich anwesenden Mitglieder Décharche erteilt. Durch den Abgang von zwei Vorstandsmitglieder(J.P.Zeyer und H.Waldmeier) zu anderen Firmen in neue berufliche Herausforderungen, musste ausserhalb des dreijährigen Wahlturnus eine Nachwahl durchgeführt werden. Mit der einstimmig beschlossenen Änderung von Art. 7 der Statuten öffnet sich die AVCS auch den Clariantmitarbeitern die dem GAV unterstellt sind. Einige kritische Äusserungen über die Konzern- und Geschäftsleitung waren aus den Jahresberichten der beiden Vizepräsidenten zu hören.

Für das Vereinsjahr 2008/2009 setzt sich der Vorstand wie folgt zusammen: die beiden Vizepräsidenten Gert Ruder und Markus Gisler (bisher), Kassierin Irma Meienhofer (neu), Aktuar François Schlessinger (bisher), Uwe Haubrichs und Jürg Storrer (bisher). Als weitere wertvolle Ergänzung wurde Regine Neu ebenfalls in den Vorstand gewählt. Damit, das heisst mit R. Neu und I. Meienhofer sind die Frauen nun endlich angemessen im AVCS Vorstand vertreten. Aus den Jahresberichten der Vizes konnten folgende wesentlichen Aussagen entnommen werden.Sinngemäss durchzogen bezeichnete G. Ruder die Zeit zwischen den beiden Mitgliederversammlungen 2008 und 2009. Am 1. September 2008 wurde, angestossen durch eine Initiative des AVCS Vorstandes, erstmals die Angestelltenvertretung EAV in den Clariantgesellschaften in der Schweiz durch Wahl bestimmt und alle sieben Kandidierenden unserer AVCS wurden gewählt. Die Mitbewerber einer gewissen Interessengruppe hatte das Nachsehen. Kaum waren am 10.9.08 die AV Wahlen validiert und die gewählte Vertretung in Amt und Würde wurden wir schon erstmals auf die Probe gestellt. Die Vernehmlassung zum Projekt MyTime mit einer Frist von knappen 10 Tagen wurde zur echten Herausforderung, der wir uns aber absolut gewachsen zeigten, denn wir haben HR auf viele Punkte aufmerksam gemacht, die nicht genügend berücksichtigt waren und die bei der Umsetzung des Projektes Probleme geben würden. Teilweise wurde durch HR auf unsere Kritik eingegangen, andernteils aber auch nicht und siehe da, es wurden im Laufe der Umsetzungsphase etliche Korrekturen nötig die, hätte man auf die AV & AVCS gehört, hätten vermieden werden können. Jedenfalls ist durch die etwas holperige Projektorganisation und die entsprechend mangelhafte interne Kommunikation viel unnötiger Ärger entstanden, vielleicht sind sogar neue Ungerechtigkeiten auszumachen, auf jeden Fall muss diese Angelegenheit MyTime weiterhin aufmerksam beobachtet werden. Die AV bleibt am Ball. Ende September hat der damalige CEO Jan Secher, eben dieser CEO der noch 2007 angekündigt hat, jetzt komme Wind in die Clariant Segel, genau diese Segel gestrichen und dies sogar noch bevor er den Beweis für den Erfolg mit dem Projekt 2010 antreten musste.Auf den Einen folgt ein Anderer, ab Oktober 2008 wurde Hariolf Kottmann durch den VR als CEO eingesetzt. Ihm geht der Ruf eines knallharten Sanierers voraus, genau das was wir in der Folge stark zu spüren bekommen haben. Die monatlichen CEO Letters haben eine deutliche Sprache gesprochen und haben auch bis heute an Deutlichkeit und Härte der Aussagen nicht abgenommen. Ende November wurde für die neue AV ein zweitägiges Seminar durchgeführt mit dem Ziel diese neue Personalvertretung für die kommenden Aufgaben zu stärken. Das Motto der Angestellten Schweiz heisst ja „wir machen uns stark für Sie“ so war es denn auch für die AV, denn das Seminar wurde durch AS gestaltet und organisiert ebenso hat AS die Hälfte der Seminarkosten getragen. Die andere Hälfte durften wir der Firma verrechnen. Alle Teilnehmenden waren vom Kurs begeistert und haben wirklich davon profitiert. Neben rechtlichen Aspekten, Verhandlungstaktik, Umgang in speziellen und schwierigen Situationen haben wir uns im Seminar auch auf die damals zu erwartenden ersten Lohnverhandlungen eingestellt und die Forderung und Vorgehensweise abgesprochen. Schon wenige Tage später wurde der Traum von Lohnverhandlungen abrupt gestoppt, denn die Firma hat am 3. Dezember 08 die bekannte Nullrunde für die Saläre 2009 angekündigt. Erstmals zeigt die konsequente Haltung des neuen CEO s eine für alle Mitarbeiter schmerzhafte Wirkung. Die AVCS hat das nicht kommentarlos hingenommen, sondern schon am nächsten Tag mit den Angestellten Schweiz eine gemeinsame Medienmitteilung herausgegeben und dort erstmals öffentlich die Verlängerung der Sozialplanes bis 2012 und diverse Arbeitsplatzsichernde Massnahmen verlangt. Am 22.1.2009 hat die AV einstimmig beschlossen an die CPS GL schriftliche Forderungen einzureichen, für den Erhalt der Arbeitsplätze, die Einführung von Kurzarbeit dort wo möglich und insbesondere auch die Verlängerung des Sozialplanes bis 2012, dies neben anderen zusätzlichen Massnahmen. Gleichentags ist wiederum eine gemeinsame Medienmitteilung der AVCS und der Angestellten Schweiz erschienen dieses Mal mit dem Titel „Stellen bei Clariant akut gefährdet, Angestelltenvertretung lanciert Arbeitsplatzinitiative“. Am 27.1.09 lässt Herr Kottman die Katze aus dem Sack und kündigt die Streichung von weiteren 1000 Stellen an. Wiederum reagiert die AVCS mit einer Medienmitteilung und protestiert gegen den Abbau. Dann geht es Schlag auf Schlag: am 11.2.09 wird der EWC informiert am 12.2.09 wird durch A. Meile und S. Christen das Konsultationsverfahren bei Massenentlassungen eröffnet. Die Delegation der AV erfährt bei dieser Gelegenheit erstmals die Namen der von Abbaumassnamen betroffenen Mitarbeiter. In einigen Fällen hatte die AV mit ihren Interventionen Erfolg, von den ursprünglich genannten 61 betroffenen EAV Mitarbeitern sind am Ende des Konsultationsverfahrens noch 54 übrig geblieben. Leider wurde auch trotz schriftlichem Protest der AVCS der Entscheid eines Abteilungsleiters einem AV Kollegen zu kündigen durch die GL geschützt. Am 17.Februar war Bilanzpressekonferenz die AVCS meldet sich wieder mit einer Medienmitteilung „Clariant streicht 132 Stellen in der Schweiz“ und mit weiteren Medienmitteilungen, die alle auf dieser hompage nachgelesen werden können, hat sich die AVCS immer wieder gemeinsam mit Angestellte Schweiz kritisch an die Öffentlichkeit gewandt. Aufgrund verschiedener auch höchst zweifelhafter Vorkommnisse auf dem Firmenareal, verbunden mit einer miserablen Kommunikation der Geschäftsleitung dazu, war wenigstens zwischenzeitlich Feuer unter dem Dach der Clariant und der AVCS. Es ist nun zu hoffen, dass die durch den AVCS Vorstand getroffenen Massnahmen genügend Wirkung für die zukünftige positive Entwicklung unserer Angestelltenvereinigung zeigen werden und dass der soziale Dialog mit der GL zukünftig in einer höheren Liga mit restauriertem Vertrauen weitergepflegt werden kann. Es sind schon hoffnungsvolle Zeichen auszumachen. Sehr viel pointierter äusserte sich Markus Gisler in seinem bereits legendären „Bericht aus Reinach“, der auch mit den Untertiteln „die Sicht der Dinge aus der Froschperspektive“ und „le charme discret du change“ bezeichnet war. Einige Ausschnitte daraus möchten wir Ihnen liebe Leserinnen und Leser nicht vorenthalten.

le charme discret du change

Die noch einzige Konstante in unserer Firma ist der Wechsel: Was mir auch in unserer kurzlebigen Zeit immer noch zu denken gibt, ist die geringe Halbwertszeit der obersten Chefs: Ein Konzernchef hält bei Clariant etwa 1.7 Jahre, wir hatten deren sieben in zwölf Jahren. Gut, werden Sie sagen, so wird es uns wenigstens nicht langweilig. Betrachten wir die Wechsel der Divisionsleiter der Division TLP, so wird es uns schon beinahe etwas schwindlig, diese verweilen noch deutlich kürzer in Ihrem Job, sie halten im Schnitt gerade gut 12 Monate: Dennefeld – Gontha – Piringer – Royer – Brandenberg – Lütgendorf: der sechste Divisionsleiter in 5 Jahren. Ich wüsche dem neuen, Herrn Lütgendorf ein langes und erfolgreiches Wirken in seinem neuen Job, wir könnten es brauchen.Leider kommen und gehen nicht alle Chefs mit leeren Händen. Die meisten, scheint es, beginnen ihren Job mit einer neuen Reorganisation und verlassen uns mit einer Abfindung. Ausnahmen bestätigen die Regel. Reorganisationen sind Operationen am Körper einer Firma. Seit sechs Jahren wird bei uns operiert, mal mit mal ohne Narkose auf eine Rehabilitation wird meist verzichtet. Ein wenig später ist der Chirurg ausgewechselt und es wird dann fröhlich weiter geschnitten. Um Himmels Willen, ist man versucht zu betteln, verschafft uns doch ein Bisschen Kontinuität, wir möchten uns einmal nicht mehr um uns, sondern um unsere Produkte und Kunden kümmern.

Schwarzseher und andere Propheten

Wenn wir ehrlich sind, rechnen wir schon seit dem letzten Herbst ständig mit dem Schlimmsten. Allmonatlich hat Harriolf Kottmann, unser CEO mit seinen Mitarbeiter­briefen und Interviews regelmässig den Teufel an die Wand gemalt. Er müsse die Belegschaft durchschütteln um sie aufzuwecken, meinte er dazu gegenüber einem Reporter.Ich habe den Verdacht, dass da jemand seine Sache schon etwas zu gut gemacht hat. Es ist seine erste Reorganisation bei Clariant, wir aber werden seit sechs Jahren geschüttelt. Vielleicht sollte man der Belegschaft nicht nur den schweren Sturm schildern, indem sich unsere Firma befindet, sondern vermehrt auch auf den schwachen Silberstreif am Horizont hinweisen.Das Vertrauen in die Zukunft der Firma ist vielen Mitarbeitern in den vergangenen Jahren regelrecht verloren gegangen. Von denen, die einst stolz waren, für Clariant zu arbeiten, haben viele resigniert. Die Alten hoffen auf eine baldige Pensionierung. Viele stimmen mit den Füssen ab und verlassen diese Firma. Darunter viele Hoffnung- und Leistungsträger zwischen 35 und 45 Jahren. Aber wie das Beispiel unseres Kassiers zeigt, gehen nicht nur die Jüngeren.

Wie viele weitere Reorganisationen können wir uns noch leisten?

Also, ein neuer Chef bringt eine neue Strategie, diese bedarf dann einer neuen Reorgani sation, das führt zu einem neuen Organigramm, zu erneuten Umzügen und, bei uns im TechCenter fast immer zu Umbauten. Warum müssen bei jeder Reorganisation ständig Leute im TechCenter hin- und rochieren, müssen ständig Labors und Büros verlegt und umgebaut werden? Ein Umbau verleiht einer Reorganisation in den Augen der Betroffenen den Anschein des Definitiven. Die Brücken sind verbrannt, es gibt kein Zurück. Gibt es doch, wie wir aus langer Erfahrung wissen, trügt hier der Schein, es geht genau bis zur nächsten Reorganisation. Die meisten Clariant-Mitabeiter haben ein Telefon und einen PC mit Netzanschluss. Warum braucht auch heute ein Chef die Büros seiner Schäfchen immer noch wie vor 100 Jahren nett aufgereiht in seiner direkten Umgebung? Okay, lassen wir die Büros noch einmal umziehen, aber warum dann auch noch die Labors? Hier sind Umbau und Umzug doch wirklich teuer. Zwei meiner Kollegen, ich hatte es schon ein andermal an dieser Stelle vermeldet, sind infolge Reorganisationen nach drei Umzügen ihrer Labors im TechCenter wieder am selben Ort gelandet. Insgesamt sind unsere Forschungs-Labors in den letzten 14 Jahren zwischen Bau 88 im St.Johann und heute im TechCenter zwischen drei- und sechsmal umgezogen. Wie in den voran gegangenen Jahren hat die Mitgliederversammlung mit einem geselligen Apéro ihren Abschluss gefunden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

  • loading